Es ist ja so: Man macht ein neues Projekt, da man einfach die Lust dazu verspürt, sich selbst damit eine neue Anlaufstelle für die ganzen sprühenden Ideen zu schaffen, auf der anderen Seite aber natürlich auch die, die mitlesen zu unterhalten, möglicherweise auf neue Dinge aufmerksam machen und einfach Spaß haben. Das ist mit ongaku kenmai nicht anders. Ein Team habe ich mir hier zusammengescharrt, und mit gutem Gewissen bin ich an die Sache gegangen. Musikblog, das ist etwas, was einfach mit Spaß verbunden sein muss. Über gute Musik schreiben, andere dafür begeistern, über schlechte Musik schreiben und andere warnen... so oder so, man schreibt für sich und die anderen, die Mitleser - euch.
Dass jedoch ein Musikblog auch mit negativen Seiten aufwarten kann, sieht man mit dem derzeitigen Abmahnwahnsinn der Musikindustrie (bzw. den Verbänden und den damit beauftragten Kanzleien), den ich persönlich kein bisschen gut heißen kann - und damit keinesfalls alleine dastehe. Es ist schade, dass man über etwas, an dem man freude hat und andere daran teilhaben lassen will, nicht mehr ohne Angst vor bösen Nachwirkungen schreiben kann. Ein Beispiel für eine wirklicht tolle Band? Ne, darf man nicht, du holst dir sofort die überteuerten GEMA-Rechte für die Aussendung oder bleibst für immer stumm in deinem Kämmerlein und hältst die Klappe. Aber auf keinen Fall mit einem Beispiel den Artikel versehen, könnte ja noch jemand gefallen daran finden und die Gruppe/Band/Künstler unterstützen. Sowas ist einfach nicht das, was man mit Spaß an einem Projekt verbindet.
Und trotzdem, letztendlich kann einem dieser Spaß durch solche Vollpfosten nicht genommen werden, oder besser gesagt: Ich lasse ihn mir nicht nehmen. Ihr wollt uns abmahnen, die Kunden, die Fans, die, die euch das Geld in den Arsch schieben? Dann macht ruhig so weiter, eure Produktionen kaufen immer weniger Menschen - und zwar nicht, weil sie es sich für lau aus P2P-Netzen holen können. Es liegt eher an solchen Aktionen, wie den Abmahnungen privater Personen, die ihre Begeisterung an Musik mit anderen Teilen wollen. Dabei ist nämlich KEINERLEI Gedanke daran, den Künstler mit kostenlosem Anbieten von MP3-Dateien zu schädigen... sondern Werbung für ihn zu machen - andere eben zu begeistern. Das kann man jedoch als Fan noch so oft schreiben, Schwachmaten werden es wohl leider nicht lernen. Vermutlich interessiert es sie nicht einmal. Hauptsache die Abmahnung ist geschrieben und eine weitere "Quelle" illegal angeschaffter Inhalte vernichtet. Dass es sich dabei um einen Fan handelt, der keine bösen Absichten mit seinem Tun verfolgte - das ist euch scheißegal. Denn Urheberrecht ist Urheberrecht, ermessen ist keines da, warum auch... ist ja illegal.
Die Qualität eurer "Künstler" lässt eure Verkaufszahlen/Gewinne natürlich auch nicht gerade positiver verlaufen - aber dafür könnten wir dann sogar indirekt verantwortlich gemacht werden. Denn schlechte Musik wird nunmal nicht rezensiert oder - mehr oder weniger leider - nicht gerade zimperlich behandelt und der Qualität entsprechend bewertet. Hey, ihr und viele eurer Kollegen sind für diesen Ausspruch verantwortlich, haltet euch daran: That's business. Scheiße wird nicht bejubelt, ist das etwa neu für euch?
ongaku kenmai wird weiterhin Musikblog bleiben, wir werden weiterhin Beispiele zu vielen Künstlern/Bands hier einbinden - wir achten irgendwie dann trotzdem darauf, dass man diese "Hörproben" bei den jeweiligen Künstlern im Internet selbst auch "anhören" kann. Nur eines ist gewiss: Bekannte Künstler bei riesigen Plattenlabels bleiben dann wohl leider komplett außen vor.
Wahre Fans kaufen sich die Platten der Künstler sowieso, egal was kommen mag. Es sind nicht die für eure sinkenden Gewinne verantwortlich, die sich die Musik aus illegalen Quellen holen. Die würden sich die Platte nie im Leben kaufen. Aber das ist ein Irrglaube, den ihr wohl nie loslassen werdet. Einfacher bleibt es, den Fan selbst zu packen, bis auf den letzten Cent bluten zu lassen und immer mehr zu verjagen. Natürlich, so verliert man weiter am Umsatz, ein Teufelskreis.
Und wisst ihr was, liebe Musikindustrie (der Begriff steht bei mir für die Multis, eigentlich etwas falsch, verzeiht mir dafür)? Der nächste Eintrag von mir wird über eine Band sein, die ihre Musik ganz für lau im Internet zur Verfügung stellt. Downloaden, anhören, bei Gefallen mit Geld unterstützen und schon funktioniert die Bindung zwischen Fan und Künstlern. Seltsam, die können auch von sowas leben - vielleicht nicht mit Millionen, aber es scheint genug zu sein. Ein weiterer Grund dafür, dass man große Unternehmen nicht mehr braucht, schon lange nicht mehr. Neue Vertriebswege sind schon lange nicht mehr euer Freund. Die kleinen Labels werden den Zug sicher noch erwischen, aber ihr? Eure Sicht auf das Ganze (Verbände und Multi-Millionen-Labels sind gemeint) ist einfach zu - wie sagt man... veraltet.
Zusatz: Johnny vom Spreeblick schreibt einen offenen Brief an die Musikschaffenden. Einfach, weil die meisten nicht einmal wissen, mit welchen Methoden auf "Kosten" der Musikschaffenden Geld mit den Fans und den "Urheberrechten" gemacht wird. Toller Artikel, super offener Brief, dem ist nichts mehr anzumerken.
PS. Wem dieser Artikel sowas von gegen den Strich geht, alles viel zu emotionales Blabla zu sein scheint etc... tut mir leid, das Thema liegt mir einfach zu sehr am Herzen, manchmal kann sich Mensch nicht zurückhalten - natürlich, ratsam wäre es. Aber warum sollte ich? Muss ja keiner Lesen, dem es nicht passt.
Dieser Eintrag wurde am 20.06.2006 um 01:52:44 erstellt und befindet sich in genauer gesagt, voll aktuell.
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