Dies wird jetzt ein Beitrag so richtig in Stammtisch-Manier. Eine Behauptung, ein bisschen klugscheißerei und weiter nichts... ob der Richtigkeit müsst ihr euch selbst mal Gedanken machen. Tja, so schauts aus.
Die Musikindustrie beschwert sich schon seit ewig und drei Tagen darüber, dass sie immer weniger Umsatz macht, die Gewinne schrumpfen und es geht ihr ja allgemein sehr schlecht. Alles bekannt, klar. Jetzt aber mal die Überlegung - um diesem Trend entgegenzuwirken steigen die Preise immer mehr. Es wird mit fragwürdigen Strategien - wie z.B. verstümmelten Alben zu "kleineren" Preisen - auf Kundenfang gegangen. Doch dieser weg kann nicht der richtige weg sein - zumindest nicht, wenn man seine Gewinne retten will, wieder mehr Umsatz machen will. Wobei diese Denke sowieso nie stattfinden dürfte. Denn die Vermarkter sollten erst an die Künstler und deren Vergütung denken, danach an die eigene - immerhin immernoch gut gefüllte - Tasche. Aber das ist ein anderes Thema, ein trauriges noch dazu.
Nun, warum ist das die falsche Herangehensweise der MI? Eigentlich ein einfaches Gedankenspiel. Je höher der Preis steigt, desto weniger ist der gemeine Bürger gewillt, sich diesen Luxus der Musik zu leisten. Wahre Fans kaufen zwar immer gerne, aber das Geld wächst immernoch nicht auf Bäumen und ist somit immer irgendwo einer Grenze unterworfen. Somit bleibt bei zu hohen Preisen irgendwann das ein oder andere Album auf der Strecke, da andere Dinge - oder von mir aus andere Alben - eine höhere Priorität haben. Hätte man sich vor langer Zeit alle Alben kaufen können, wird jetzt um jeden Cent gekämpft. Leidtragende sind immer zuerst Luxusartikel. Und dazu kann man Musik durchaus zählen - denn auch ohne Musik kann ein Mensch irgendwie (über)leben.
Jetzt kostet natürlich alles einen gewissen Betrag, so auch die Herstellung der Datenträger, das Bespielen dieser, Marketing, Werbung und Vermarktung - und was es nicht noch alles gibt. Über die Gesamtkosten kann ich nichts schreiben, ich weiß sie einfach nicht. Doch sind die Spielräume zwischen Verkaufspreis, Einkaufspreis für Läden und Herstellungskosten mit Sicherheit hoch genug. Denn das ist bei den meisten Erzeugnissen so - auch wenn es im ersten Moment nicht so ausschauen mag. Teuer ist in der Herstellung, was noch nicht in Massen produziert werden kann und somit spezielle Produktionsstätten und ähnliches verlangt. Und das gilt bei CD, MP3, DVD-Audio und dem Gezeugs, was man mit Musik bespielen kann eben nicht - es sind Standard-Erzeugnisse, die man inzwischen sehr wohl zu sehr günstigen (und trotzdem fairen Bedingungen) herstellen kann.
Marketing und Werbung sind - der springende Punkt ist das nicht - ebenfalls nicht in Richtung unendlich zu sehen. Man will sich damit zwar immer wieder gerne als arme Sau darstellen, die für die Musikacts einen Haufen Zaster hinlegen muss, um sie einer gewissen Bekanntheit entgegen zu bringen... aber das stimmt nun komplett nicht. Besonders bei Musik nicht. Denn es gibt viele Kanäle inzwischen, die sehr gut geeignet sind, für Werbung herzuhalten. Nur werden diese Kanäle entweder bekämpft wie ein nötiger Feind - Internet, Blogs, Musikcommunities etc. - oder gar nicht erst erkannt - Internet, Blogs, Musikcommunities. Und diese Kanäle sind IMHO an billig nicht zu übertreffen. Nun gibt die MI ja für Fernsehwerbung sowieso nicht die Unsummen aus - außer für ewig bekannte Bands, die die Werbung eigentlich gar nicht mehr braucht - also stellt sich ja wieder einmal mehr die Frage, wieso überhaupt bei der Werbung mit Unkosten in "unendlichfaktor"-Höhe zu rechnen. Nein, Die Kosten für eine Platte sind im Grunde sehr gering. Im Laden steht sie trotzdem für inzwischen mehr als 16,- € (wenn das überhaupt ausreicht).
Klar, vielleicht mag man jetzt sagen, die 16,- € haben wirklich nur noch ganz wenig Gewinn für Laden, Vermarkter und Künstler... aber stimmen kann das nicht. Einfach mal nachrechnen, wieviel man normalerweise für Herstellung, Marketing, Transport, Unkosten anderer Natur (Fixkosten für Personal etc. aufgerechnet auf alle Produktionen nicht vergessen)... klingt am Anfang viel, aber es ist ja nicht so, dass die MI aus kleinen Labels besteht, die sich mit einzelnen Produktionen beschäftigt und somit nicht irgendwo als Massenhersteller angesehen werden kann - ich lasse mit Absicht die Indie-Labels außen vor.
Worauf will ich also hinaus? Mal überlegen, wie ich angefangen habe. Je höher der Preis also, desto weniger kaufen die Erzeugnisse. Einfach, weil die Kaufkraft immer eine Grenze hat und gerade Musik zu den Dingen zählt, die man durchaus als erstes reduzieren kann. Sinkende Kundenzahlen bedeuten jedoch weniger Umsatz und weniger Gewinn. Es rentiert sich weniger zu dem Preis etwas zu verkaufen. Er wird hochgesetzt, denn die Umsätze müssen - zumindest um irgendwie die Fixkosten etc. begleichen zu können - steigen. Fixkosten heißen nämlich so, weil sie gleich bleiben. Aber je weniger verkauft wird, desto höher die Fixkosten pro Erzeugnis, die anfallen. Denn weniger Menschen zahlen einen gleichen Fixkostenbetrag. Der ist dann natürlich auf dem Produkt selbst größer, der Anteil. Dieses Spielchen kann man jetzt immer weiter drehen. Fixkosten müssen also verringert werden - die anderen Kosten bestehen auch weiterhin, aber diese können, nehmen wir jetzt mal der Einfachheit nach an, vernachlässigt werden (der Künstleranteil ist eine Gewinnbeteiligung, also keine direkten Kosten). Menschen werden entlassen, es wird eingespart, wo man kann. Klar, ist ja überall so, auch bei der MI. Aber dieser Kreis dreht sich eigentlich unnötig. Und in die falsche Richtung.
Denn wir nehmen jetzt einmal an, ein großes Label würde nun nicht den Preis erhöhen, sondern verringern. Klingt seltsam, weil's ja kaum jemand macht. Aber jetzt wirklich angenommen, die Preise sind bei 12,- € angelangt. Das sind zwar "nur" 4,- € weniger, aber man hat eben dieses Geld dann übrig für anderes. Also denken wir weiter. Innerhalb nur drei Monate haben wir also 12,- € zusammen, können uns ein weiteres Album leisten, zusätzlich einfach so. Ich mag keine Rechenbeispiele, normalerweise darum, weil ich dazu wirklich genau zahlen bräuchte. Deshalb mal weg von dem Beispiel. Aber das, worauf ich hinaus will, ist klar geworden. Also denken wir jetzt einmal, das geht jetzt vielen Musikfans so. Die Alben verkaufen sich besser, weil weniger Geld für dieselbe Leistung rausgeht. Die Fixkosten selbst verteilen sich auf viel mehr Erzeugnisse - bei ebenfalls gleichbleibend hohen Preisen für Marketing etc. Bei wenigen Verkäufen bleibt der Umsatz unter dem von oben - ist klar. Denn weniger verdient, gleich viel verkauft und Fixkosten bleiben immer gleich. Aber dabei wird es bei zumindest guten Bands und eigentlich schon allein darum fast nie bleiben, weil einfach mehr zum gleichen Preis gekauft werden kann - man muss natürlich bedenken, dass der Markt eine sehr komplexe Sache ist, ich sehe hier jedoch davon ab, diesen Markt mit seiner kompletten Komplexität zu sehen, er ist also vereinfacht dargestellt. Es gibt also einen Bereich, in dem ist der niedrigere Preis der Todesstoß. Klar, denn man hat noch weniger verdient. Doch ich habe bereits erwähnt, dass es dabei nicht bleiben wird. Meistens nicht. Denn man verkauft mehr. Der Preis ist ja immerhin angenehmer, und Musikfans gibt es genug. Also wird über kurz oder lang mehr gekauft. Die Fixkosten können immer mehr auf mehr Erzeugnisse verteilt abgerechnet werden - bleibt also vom eingenommenen Preis mehr übrig (denn die Produktionskosten selbst sind minimal klein, und auch hier wird mit mehr Produktion weniger gezahlt). Das ist das tolle am Massenmarkt. Es gibt eine Grenze, bei der man mit einem niedrigeren Preis mehr verdient, als einem höheren Preis. Man muss eben mehr verkaufen - darum heißt es auch Massenmarkt.
Funktioniert also nicht bei Luxusgütern. Denn die kosten Standardmäßig zu viel für eine breite Öffentlichkeit, schon in der Produktion. Aber Musik... vielleicht ist Musik doch kein Luxus... Auslegungssache.
Jetzt haben wir also zwei Kreisläufe gesehen. Der eine hatte einen hohen Preis für Musikalben zu bieten. Die Leute haben ein begrenztes Budget und können sich nicht alles an Alben leisten, was sie wollten. Der Umsatz geht zurück, weil weniger verkauft wird - zwangsläufig. Der zweite Kreislauf ist das Gegenteil. Kleiner Preis, das begrenzte Budget gibt mehr her für die Alben. Es wird mehr verkauft. Sehr vereinfacht ausgedrückt - viel zu einfach für meinen Geschmack, aber... Romane schreiben liegt mir nicht.
Jetzt kommt natürlich ein weiterer Faktor ins Rennen, den die MI aber zu ihrer Verteidigung - denn meine Überlegungen sind ja keineswegs neu - immer wieder in den Kampf einbringt. Die Raubkopierer nämlich. Jetzt ist die Frage, haben die Raubkopierer wirklich so viel negativen Einfluss auf die Umsätze der MI? Womöglich... aber womöglich nicht deswegen, weil sie nicht dazu gewillt wären, Musik legal zu erwerben. Aber wer mit horrenden Preisen Kunden vergrault - der schafft zwangsläufig eine illegale Szene. Und je höher der Preis (also je weniger man für sein Geld bekommt) desto niedriger liegt die Hemmschwelle, sich der illegalen Musiksuche anzunehmen. Für 12,- € z.B... es wären mehr Leute bereit, das Album zu kaufen. Denn was man sich ohne Probleme leisten kann, wird viel eher normal gekauft. Nicht gesaugt. Warum auch eben viel zu viele Jugendliche Musik aus dem Internet illegal saugen. Liegt nicht daran, dass sie vermehrt mit dem PC zu tun haben. Stimmt so nämlich nicht.
Hier beginnt dann auch der nächste Kreislauf. Die Preise bringen viele dazu, dahin zu gehen, wo es kostenlos ist. Man will schließlich irgendwie doch das haben, was man begehrt. Internet also. Das gefällt der Musikindustrie jedoch nicht. Nur der eigentliche Grund wird nicht erkannt - oder man will ihn nicht erkennen, der Kunde als Übel ist einfacher auszumachen. Also werden Datenträger kopiergeschützt bis zur Unkenntlichkeit. Kaum eine CD mehr im Laden, die noch dem Standard einer Audio-CD entspricht. Was auch Konsequenzen mit sich bringt. Die Leute sind beeinträchtigt in ihrer Freiheit, wo und wie sie Musik hören können. Also die Alternative wählen, die es erlaubt, wirklich alles zu tun, was man will mit der Musik, die man ja eigentlich erwirbt. Internet also. Und so weiter... ihr versteht... aber das sind die Kreisläufe, die ich diesmal nicht beleuchten will. Mir ging es um den Preis an sich. Denn er ist zu hoch, um wieder an die Umsätze der MI anzuknöpfen, als es ihr noch gut ging. Alles mit Inflation zu erklären ist nämlich nicht. So einfach kann man es sich nicht machen.
Und dass die MI auch viele Trends verpasst hat und somit viele Kunden gewisse Wege, "ihre" Musik zu erwerben vermissen, ist klar... viel zu klar. Nur der MI nicht. Schade, denn Kunde und Musikindustrie sollten eigentlich eine Einheit sein - denn beide können eigentlich ohne den Gegenüber nicht so recht leben. Nur die MI noch viel weniger ohne Kunden als König Kunde ohne MI. Wer sitzt am längeren Hebel?
Dieser Eintrag wurde am 01.09.2006 um 00:44:39 erstellt und befindet sich in genauer gesagt.
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