Liebeslieder. Sie gibt es zuhauf und in allen möglichen Varianten. Und irgendwie sind sie zu 'ner ganz besonderen Spezialität meinerseits geworden. Ich mag gute Liebeslieder. Hauptsache nicht zu aufgesetzt, nicht zuviel Geschwafel, eine schöne Melodie und natürlich auch immer ein wenig traurig, denn ohne Trauer und Schmerz ist Liebe keine Liebe.
Wenn Robert Smith mit melancholischer Stimme davon flüstert, wie er sich endlich wieder daheim fühlt, wenn er mit seinem geliebten Menschen alleine ist, könnten mir fast jedesmal die Tränen kommen und in seltenen Momenten tun sie dies vielleicht auch. Das ist kein Kitsch und weder Altmodisch, sondern das sind von der heutigen Öffentlichkeit untergebutterte und verhöhnte Emotionen, von denen nur die Wenigen wissen, die der Medien- und Konsumblizzard noch nicht zu Tode gefroren hat. Liebe ist Trennung und Zusammenfinden, Tod und Wiedergeburt, leidenschaftliche Nähe und grausam-kalte Distanz. Und wenn Smith die Sätze "However far away I will always love you" schon fast herausschreit, wird klar, die Distanz ist groß und andauernd, genau so unendlich und ergründlich wie die Liebe selbst. Eine der traurigsten Arten der Liebe ist wohl diejenige, die zu Ende ging, bevor sie richtig began. Gefühle, die wunderbar vom Lyriker Chris Mosdell interpretiert wurden: "You're a love song, only half-way sung (...) You're a butterfly, a trick of time, Who leaves before he arrives". Liebe ist voller Schmerz, Liebe ist das Bewusstwerden der Vergänglichkeit, noch bevor der bewusste Moment eigentlich vorbei ist. Das bemerken auch die Goo Goo Dolls in ihrem schon fast schon weltbekannten Song Iris: "You're the closest to heaven that I'll Ever be, And I don't want to go home right now, And all I can taste is this moment(...)". Doch vielleicht ist das allerschmerzlichste an der Liebe doch, die Liebe eines anderen Menschen zu verlieren. Alles, aber auch alles würde man tun, damit es nicht soweit kommt und selbst wenn es schon passiert ist, sucht man verzweifelt nach Auswegen, um alles wieder hinzubiegen. Ja, in den verzweifelten Momenten wäre man dazu bereit, sein ganzes Leben für die Liebe dieser Person wegzuwerfen. Auch Jon Crosby weiß das: "Put me inside flesh that is dying, A ghost that wanders without rest, Buried by desires and weakness, I understand. Please, don't take your love away from me!"
Und was sollte dieser Beitrag jetzt? Hört mehr Liebeslieder Leute und habt Mut zu lieben, Mut sich mit dem Schmerz abzugeben, den die Liebe mit sich bringt. Denn das ist lebendig und vielleicht sind unsere Gefühle und Gedanken, solange wir sie nicht haben sterben lassen, dass letzte Lebendige auf unserem kleinen Planeten. Und ich lasse sie nicht sterben, egal wieviel Liebe ich verschwende, ich vermisse, nicht bekomme und egal wieviel Schmerz mir wie Galle hochkommt und mein Brustinneres durchbohrt. Es ist nie zu Ende, bevor es zu Ende ist. In diesem Sinne: Ein frohes Fest, denn auch wenn wir doch eigentlich alle Atheisten oder zumindest Agnostiker sind, bleiben wir doch von einer gewissen Weihnachtsstimmung nicht verschont und lassen wir das eigentlich Wesentliche dieser Zeit weg - den Materialismus - dann bleibt doch viel Gutes.
In diesem Beitrag erwähnte und sehr empfehlenswerte Songs (der Reihenfolge nach):
The Cure - Lovesong
Yoko Kanno - Butterfly
The Goo Goo Dolls - Iris
Vast - Don't Take Your Love Away
Dieser Eintrag wurde am 23.12.2006 um 15:34:40 erstellt und befindet sich in dies und das, genauer gesagt, ich und das lied.
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