nocte obducta - 4% zugehörigkeitsgefühl zur black metal-szene

8.August 2007

es ist so schwer, einen ersten post zu schreiben... an sich ist der prozess einfach und verständlich, aber die last des würdigen anfangs und welches lied man für die nähere beschreibung auswählt, ist doch schon spürbar ;)

nundenn, ich werde somit diesen hübschen musikblog neu aufleben lassen und über ein lied einer band schreiben, die es leider nicht mehr in ihrer ursprünglichen form gibt - nocte obducta. genauer, vorbei von ihrem 2003er album stille (das nagende schweigen). dieses lied enhält nicht nur die hochwertige lyrische qualität, die man von nocte obducta gewohnt war, es ist zudem noch mein lieblingslied dieser band und enthält die beiden wundervollsten zeilen des gesamten albums. but let's put first things first.

nocte obducta wurden 1995 in mainz gegründet. sie veröffentlichten 1998 das demotape "doch lächeln die blutleeren lippen/ begräbnisvermählung" und wurden daraufhin von gsm unter vertrag genommen. während sie auf ihren ersten veröffentlichungen hauptsächlich black metal spielten, nahmen auf den späteren platten avantgardistische und progressive, wie auch death metal-einflüsse immer mehr zu. schliesslich trennten sie sich 2006, weil ihre musikalische entwicklung bei fans auf wenig gegenliebe stiess.

vorbei startet relativ ruhig und unmetallisch, um erst etwas später die wahre natur preiszugeben. ein grossartiger melodieteil folgt, ehe torsten mit dem text loslegt:

wo im wald an starken bäumen schaukeln schwangen, kinder lachten/
baumeln zeugen der verzweiflung, rauhe stricke, kalte leichen/
wo ich manches mal im park das leben liebte, trieben träge/
die kadaver toter enten auf den stinkend seichten teichen/

wo sind die schätze, die wir fanden?/
wo sind die stunden, die verschwanden?/ [...]

es ist immer wieder verblüffend, festzustellen, mit welcher inbrunst der unhold diese zeilen vorträgt. obwohl der text von manchen als "typisch black metal" abgestempelt wird, hat er doch eine bei deutschen [und auch ausländischen] bands nicht oft vorhandene lyrische tiefe. nicht zuletzt ist das auch der grund meiner nocte obducta - lobpreisung.

nach härteren riffs folgen ruhige passagen, denen durch den bass etwas dahindümpelndes verliehen wird, ehe die ruhe durch den einsetzenden höhepunkt des ganzen liedes unterbrochen wird, die von mir schon beschriebenen beiden zeilen

halb erfror'ne fremde haben letzte nacht im kargen park/
den statuen die kleider grob und ungeschickt vom leib geschlagen/ [...]

die nachfolgenden zwei strophen unterscheiden sich in ihrer struktur vom rest des textes und bilden einen gelungenen abschluss des zu überbringenden gedankens. das fast acht minuten lange lied endet mit einem atmosphärischen keyboard-solo, wobei der rest der instrumente langsam ausklingt... geniale musik.

umso trauriger, dass diese exzeptionelle band aufgehört hat. es gibt aber ein nachfolgeprojekt namens "dinner auf uranos".

link: www.nocte-obducta.de

-K




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